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Geschichte Schulgebäude

Kaserne– Finanzamt– Lazarett und Krankenhaus– Kommandanturgebäude

 

Das Gebäude, das heute die Adresse Straße der Jugend 14 hat, wurde von Juni 1910 bis März 1912 als Kasernenbau errichtet. Am 2. April 1912 bezogen die Soldaten der 2. und 3. Kompanie des Thüringischen Infanterieregimentes Nr. 72 das Gebäude. An den Wänden der Treppenaufgänge lasen die Soldaten Losungen wie:

„Mit Gott für König und Vaterland“ oder „Fredericus Rex, unser König und Held, mit schlagen wir den Teufel aus dem Feld.“

 

Bis zum Ende des 1. Weltkrieges bestimmten derartige Losungen das Leben der Soldaten und die Soldaten das Leben in Torgau. Nach der Niederlage Deutschlands und der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. wurde die kaiserliche Armee 1918 aufgelöst. Torgau war keine Garnisonsstadt mehr und die Kaserne in der damaligen Schulstraße wurde nicht mehr benötigt. Das Gebäude wurde von 1918 bis 1945 durch eine Vielzahl Torgauer Behörden genutzt. Während des gesamten Zeitraumes war hier das Finanzamt untergebracht. Außerdem hatten zeitweilig das Zollamt, das Wehrmeldeamt, das Wasserbauamt und das Wehrbezirkskommando ihren Sitz im Gebäude Schulstraße 14.

 

Nach Ende des 2. Weltkrieges unterstand Torgau der sowjetischen Besatzungsmacht. Diese verlangte die Räumung des Krankenhausgebäudes. Nach einigem hin und her wurden dem Krankenhaus im Juni 1945 die Räume des ehemaligen Finanzamtes zugewiesen. Und so wurde aus der ehemaligen preußischen Kaserne im Zeitraum von 1945 – 1947 ein Lazarett und Notkrankenhaus. Im Juni 1947 konnte das Krankenhaus wieder in das ursprüngliche Gebäude wechseln und in die Schulstraße 14 zog die sowjetische Kommandantur ein.

 

Aus der ehemaligen Kaserne wird eine Schule

 

Die Geschichte der Schule im Gebäude Schulstraße 14 begann mit dem Schuljahr 1949/1950. Aus der Schule an der Promenade 2 wurden 2 Klassen ausgelagert und im ehemaligen Kasernenbau unterrichtet. Mit Beginn des Schuljahres 1950/1951 zog die komplette 2. Mädchenschule Torgau hier ein. Die Bedingungen waren schwierig. Der Umbau von der Kaserne zur Schule ging nur langsam voran. Und die nächste Reform ließ nicht lange auf sich warten. 1951 wurde auch in Torgau die Koedukation, d. h. das gemeinsame Lernen von Mädchen und Jungen, eingeführt. Aus der 2. Mädchenschule wurde die 4. Zentralschule. Hier wurden 1952/1953 insgesamt 757 Schülerinnen und Schüler in 22 Klassen von 19 Lehrern unterrichtet. Die Mädchen und Jungen kamen nicht nur aus Torgau sondern auch von Loßwig, Mockritz, Welsau, Döbern, Neiden, Klitzschen, Mehderitzsch und Kranichau.

 

In den nächsten 10 Jahren arbeiteten viele Torgauer angestrengt am Umbau der Schule. Auch der Außenbereich wurde umgestaltet – aus dem Kasernenhof wurde ein Schulhof. Da an der Schule Schüler der Klassen 1 bis 8 unterrichtet wurden, musste ein Hort eingerichtet werden. Zunächst wurden dafür Räume der untersten Etage genutzt. Mit dem Auszug der Mieter aus dem Nebengebäude konnte der Hort dahin umziehen.

 

Das Jahr 1959 brachte wieder eine umfassende Reform im Bildungsbereich – die polytechnische Oberschule wurde eingeführt. Die POS war die allgemeine Schulform im Schulsystem der DDR und umfasste zehn Klassen. Aus der 4. Zentralschule wurde die 4. POS. Immer wieder gab es Veränderungen, musste das Gebäude „angepasst“ werden. 1969/1970 wurden Fachkabinette für Mathematik, Deutsch, Geografie, Geschichte und Russisch eingerichtet. Im Frühjahr 1978 wurde ein Schulgarten angelegt. Im Januar 1984 begann wieder eine umfangreiche Baumaßnahme – die Sanitäranlagen wurden saniert.

 

Die 4. POS „Hermann Matern“ wird zur Katharina-von-Bora-Mittelschule

 

1979 wird der 4. POS Torgau der Name „Hermann Matern“ verliehen. Diesen Namen trug die Schule bis 1992.

Die politische und gesellschaftliche Wende von 1989/1990 ging natürlich auch am Schulsystem nicht spurlos vorbei. In Sachsen wurde 1991 ein Schulgesetz verabschiedet und das Bildungswesen neu strukturiert. Aus der Zehnklassen- Einheitsschule wurde ein System aus Grundschule und weiterführenden Schulen, die zu verschiedenen Bildungsabschlüssen führen. Von Klasse 5 an wurden Schüler entweder an der Mittelschule (Abschlussziel Real- oder Hauptschulabschluss) oder am Gymnasium (Abschlussziel Abitur) unterrichtet.

 

Aus der 4. POS „Hermann Matern“ wurde im Zuge dieser Reform die Städtische Mittelschule, eine von zwei Torgauer Mittelschulen. An der Städtischen Mittelschule sollten etwa 750 Schüler lernen. Also wurde die Schule wieder zur Baustelle. Es entstanden neue Unterrichtsräume in den beiden Obergeschossen. Im Keller wurden neue Werk- und Technikräume eingerichtet. Aus den ehemaligen Horträumen im Nebengebäude wurden Fachräume für Hauswirtschaft und textiles Werken.

 

Ein großer Höhepunkt in der Geschichte der Schule war die Festwoche im Januar 2007. Am 29.01.2007 erhielt die Schule ihren neuen Namen Katharina-von-Bora-Mittelschule Torgau. Außerdem wurde an diesem Tag das neue, von der AVANCIS GmbH & Co. KG gesponserte, Schulschild enthüllt.

 

Die Geschichte der Schule ist von Beginn an eine Geschichte von Bauarbeiten. Immer wieder musste das Kasernengebäude umgebaut, modernisiert und den Bedingungen angepasst werden. Größere Maßnahmen fanden 1996 (Elektroanlage und Räume der Schulleitung) und 1999/2000 (Fachunterrichtsräume Naturwissenschaften) statt. Im Sommer 2010, kurz vor Ende der Sommerferien, erhielt die Schulleitung vom Schulträger (Stadtverwaltung Torgau) die Information, dass die Schule komplett saniert wird. Natürlich war die Freude groß, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar war, wie dieses Vorhaben realisiert werden sollte. Die Bauarbeiten begannen fast gleichzeitig mit dem Schuljahr und werden bis ins Frühjahr 2013 andauern. In diesem Zeitraum erhielt die Schule in 5 Bauabschnitten ein ganz neues Aussehen: sie erhielt einen hellen überdachten Eingangsbereich mit einem Mehrzweckraum und einer Cafeteria, es wurden Wände versetzt, Fußböden erneuert, alle Decken abgehangen, es entstanden neue Gruppenräume, Garderoben und Lehrmittelräume, viele Räume wurden umgestaltet und neu eingerichtet, das Chemie- Kabinett erhielt eine hochmoderne Ausstattung und und und. Vieles könnte hier noch aufgeführt werden.

 

Seit dem Schuljahr 2016/2017 trägt die Schule den Namen Katharina-von-Bora-Oberschule.